Haltung

Eine Phase, die keinen Namen hat

Über das Wort, das ich der unsichtbaren Phase gegeben habe, und warum sie eines brauchte.

Ein Mittelständler sucht eine Bereichsleitung.
Zwölf Wochen. Drei Personalberater. Vierzig Profile.
Am Ende eine Zusage, die nach achtzehn Monaten wieder geht.

Danach sitzen alle im selben Raum und fragen dasselbe. Lag es an der Suche? War das Netzwerk zu klein, die Ansprache zu lahm, der Markt zu leer? Man bestellt einen neuen Berater und fängt von vorne an, mit demselben Startpunkt.

Es lag nicht an der Suche.

Es lag daran, dass niemand die Rolle gebaut hat, bevor sie gesucht wurde. Das Briefing dauerte neunzig Minuten, zwischen Tür und Kalender. Niemand hat gefragt, was diese Position in zwei Jahren geleistet haben muss. An welchem einen Engpass sie kippt. Welche drei Dinge unverhandelbar sind und welche zehn nur Wunschzettel. Man hat eine Stelle ausgeschrieben, keine Rolle entworfen.

Ich habe dieses Muster über zweihundert Mal gesehen. In Vorständen, in Geschäftsführungen, bei Gründer:innen. Immer dieselbe Reihenfolge: erst suchen, dann merken, dass man nicht wusste, was man sucht. Die Suche bekommt die Schuld, weil sie sichtbar ist. Die eigentliche Lücke liegt davor, und sie ist unsichtbar, weil sie keinen Namen hat.

Eine Phase, die keinen Namen hat, wird übersprungen.

Das ist der ganze Punkt. Solange das Durchdenken einer Rolle als selbstverständlicher Vorlauf gilt, als etwas, das man nebenbei mitmacht, fällt es unter Druck als Erstes weg. Was keinen Namen hat, kann man nicht einfordern. Nicht in den Kalender schreiben, nicht in Rechnung stellen, nicht prüfen. Es ist Luft im Prozess. Und Luft drückt man heraus, wenn es eng wird.

Sprache schafft, woran sie rührt. Eine Vorsorgeuntersuchung überspringt niemand: sie hat einen Namen, einen Termin, einen Code auf der Rechnung. Dieselbe Untersuchung ohne Namen, als „schau halt vorher mal", findet nie statt. Mit Rollen ist es genau so.

Deshalb der Name. Pre-Recruiting macht aus einer guten Gewohnheit eine Disziplin. Aus „das sollte man eigentlich" wird ein Schritt mit Anfang, Ende und Ergebnis. Erst die Rolle. Dann die Suche.

Die Reihenfolge war immer richtig.
Gefehlt hat nur das Wort.

Jetzt gibt es eines.

Michael von Hirschfeld, Pre-Recruiting Pionier

Michael von Hirschfeld

Michael von Hirschfeld

Pre-Recruiting Pionier. Erfinder der HIHB-Methode.

Dokumentiert die Praxis hinter dieser Kategorie seit über 200 Mandaten.